Ihre Fragen beantwortet: Was bedeutet der EU-Omnibus-Vorschlag für Vermarkter?

Was ist der Digital Omnibus?

Der Digital-Omnibus-Vorschlag ist der Plan der Europäischen Kommission, mehrere zentrale EU-Digitalgesetze zu vereinfachen und zu modernisieren, darunter die DSGVO und die ePrivacy-Richtlinie.

Ziel ist es, Reibungsverluste zu reduzieren und die Nutzererfahrung zu verbessern, ohne die Rechte der Menschen zu schwächen.

Der Vorschlag betrifft eine Vielzahl von Themen: Cookies und Einwilligung, die Nutzung personenbezogener Daten und KI, Pseudonymisierung sowie DSGVO-Rechte.

Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Verbesserung des heutigen Einwilligungserlebnisses. Die Kommission weiß, dass es mühsam sein kann, sich auf jeder neuen Website erneut durch Cookie-Banner zu klicken. Der Omnibus-Vorschlag soll diese Belastung verringern und gleichzeitig einen robusten Datenschutzrahmen aufrechterhalten.

Welche praktischen Änderungen sollten Marketingfachleute erwarten?

Die wichtigsten Änderungen, die Sie kennen sollten, betreffen Cookie-Banner und Einwilligung sowie die Art und Weise, wie Präferenzen ausgedrückt werden.

1. Zentrale Einwilligungsmechanismen und Signale

Um zu vermeiden, dass Nutzer immer wieder mit Bannern konfrontiert werden, sieht der Vorschlag „zentrale Cookie-Verwaltungsmechanismen“ vor, etwa Datenschutzeinstellungen auf Browser- oder Betriebssystemebene. Stellen Sie sich einen einfachen Schalter vor, zum Beispiel:

  • „Tracking ablehnen“
  • „Nur notwendige Cookies“

Nutzer könnten diese Einstellung einmal festlegen, und Websites würden diese Auswahl anschließend automatisch über maschinenlesbare Signale erkennen und berücksichtigen.

Sollte der Vorschlag von einem reinen Banner-Modell zu einem signalbasierten Modell übergehen, in dem Präferenzen zentral ausgedrückt werden, würde das Folgendes bedeuten:

  • Wenn ein gültiges Signal vorliegt, zum Beispiel keine Einwilligung für Tracking-Zwecke, müssen Sie dieses auslesen und respektieren.
  • Ihre Einwilligungstools (CMP, Tag Manager, Analytics) müssen diese Signale interpretieren und das Tracking entsprechend konfigurieren.

💡 Genau hier wird Google Consent Mode wichtig, um Chancenverluste zu minimieren, wenn keine Einwilligung erteilt wird. Durch Modellierung können Sie Marketingdaten in der EU weiterhin nutzen, Ihre Kampagnen am Laufen halten und Ihre Umsätze stabilisieren. Mehr dazu hier.

2. Cookie-Regeln innerhalb der DSGVO und klarere Ausnahmen von der Einwilligungspflicht

Die Regeln zur Speicherung oder zum Zugriff auf Informationen auf dem Gerät eines Nutzers (Cookies und ähnliche Technologien) sollen voraussichtlich in die DSGVO integriert werden und klarere Ausnahmen vorsehen, in denen keine Einwilligung erforderlich ist. Wichtige Beispiele:

  • Unbedingt erforderliche Cookies, die für die Übertragung einer Kommunikation oder die Bereitstellung eines vom Nutzer ausdrücklich angeforderten Dienstes notwendig sind.
  • Aggregiertes First-Party-Audience-Measurement, wenn Sie Ihre eigene Zielgruppe ausschließlich für eigene Zwecke messen, ohne die Daten weiterzugeben oder zu verkaufen und ohne sie für andere, damit nicht zusammenhängende Zwecke zu verwenden.

Das ist eine wichtige Entwicklung für Marketingteams. Der Vorschlag könnte mehr Klarheit und Flexibilität bei First-Party-Analytics schaffen, die ohne Einwilligung eingesetzt werden können (z. B. bestimmte selbst gehostete oder datenschutzfreundliche Tools), sofern sie die Voraussetzungen erfüllen.

Drittanbieter-Analytics und Cross-Site-Tracking werden jedoch grundsätzlich weiterhin eine Einwilligung erfordern.

💡 Sie brauchen eine Auffrischung zum Unterschied zwischen First-Party- und Third-Party-Cookies? Hier entlang!

3. Aktualisierte Banner-Regeln zur Verringerung der Consent-Fatigue

Der Omnibus-Vorschlag sieht Folgendes vor:

  • Wenn ein Banner erforderlich ist, muss eine „Ablehnen“-Option mit einem Klick genauso sichtbar und einfach sein wie „Akzeptieren“ (diese Anforderung wurde auf Ebene der Mitgliedstaaten bereits häufig durchgesetzt).
  • Sie dürfen nicht erneut um Einwilligung bitten, solange die bestehende Einwilligung gültig ist.
  • Wenn ein Nutzer ablehnt, darf er mindestens sechs Monate lang nicht erneut für denselben Zweck gefragt werden.

In der Praxis bedeutet das etwas weniger Möglichkeiten, Nutzer immer wieder zu „nerven“, aber auch eine klarere, respektvollere und bessere Nutzererfahrung, die Vertrauen und Markenwahrnehmung stärken kann.

Werden Cookie-Banner verschwinden?

Nein. Die Europäische Kommission will vermeiden, dass Nutzer immer wieder mit Bannern konfrontiert werden – nicht jedoch Einwilligung oder Banner vollständig abschaffen.

Das grundlegende Opt-in-Modell bleibt bestehen: Sie benötigen weiterhin eine gültige Einwilligung für Werbung, Profiling, Cross-Site-Tracking und die meisten Drittanbieter-Analytics.

In der Praxis:

  • Banner bleiben der wichtigste Weg, über den die meisten Nutzer ihre Einwilligung erteilen, insbesondere diejenigen, die nie an den Datenschutz-Einstellungen ihres Browsers oder Betriebssystems etwas ändern. Manche Nutzer werden globale Präferenzen festlegen; in diesen Fällen kann Ihre CMP das Signal auslesen und das Banner überspringen.
  • Sie werden weiterhin eine Consent Management Platform oder ein vergleichbares System benötigen, um zu steuern, ob Tracking ausgeführt werden darf, den Nachweis der Einwilligung zu speichern und Nutzern zu ermöglichen, ihre Entscheidungen zu überprüfen und zu aktualisieren.

Für Sie als Marketingverantwortliche bedeutet das: Sie werden derselben Person im Laufe der Zeit wahrscheinlich weniger Banner anzeigen, brauchen aber weiterhin im Hintergrund ein robustes Consent-Setup, um Tags, Pixel und alle Ihre Zielsysteme (Werbeplattformen, Analytics, Customer Platforms usw.) zu steuern.

Was sollten Marketingfachleute jetzt tun?

Derzeit ist kein Handeln erforderlich. Der Digital Omnibus ist nach wie vor nur ein Vorschlag, kein endgültiges Gesetz. Bis er verabschiedet ist und die Anwendungsfristen beginnen:

  • Ihre aktuellen Pflichten nach DSGVO und ePrivacy bleiben unverändert.
  • Sie müssen Ihr Setup wegen des Omnibus nicht ändern.

🚀 Was Sie für erfolgreiches Marketing brauchen, ändert sich nicht

Auch mit neuen Regeln bleiben Transparenz, das Vertrauen der Nutzer und rechtskonforme Daten Ihre wichtigsten Grundlagen für erfolgreiches Marketing.

Eine solide Compliance-Strategie kann:

  • Die Wahrnehmung Ihrer Marke verbessern, indem Sie zeigen, dass Sie die Datenschutzrechte und Entscheidungen Ihrer Besucher respektieren. Aufdringliches Remarketing, E-Mails ohne Einwilligung oder erneute Ansprache nach einem Opt-out können schnell nach hinten losgehen.
  • Marketingdaten und Performance schützen – mit Tools wie Google Consent Mode und datenschutzfreundlicher Messung.

Bleiben Sie schon heute compliant und:

✅ Halten Sie Ihre Datenschutz- und Cookie-Hinweise klar und leicht zugänglich.

Holen Sie Einwilligungen ein und bewahren Sie Nachweise auf, wenn dies erforderlich ist (z. B. für Werbung, Remarketing, Cross-Site-Tracking). Nutzen Sie Ihre CMP, um Cookies abhängig von den Entscheidungen der Nutzer zuzulassen oder zu blockieren.

✅ Ermöglichen Sie es Nutzern, ihre Präferenzen einfach zu aktualisieren, und stellen Sie sicher, dass diese Entscheidungen an Ihre Werbeplattformen, Analytics-Tools, CRM-Systeme usw. weitergegeben werden.

Wann wird der Vorschlag in Kraft treten?

Der Vorschlag wurde am 19. November 2025 veröffentlicht, ist aber noch kein geltendes Recht. Der Text kann sich in jeder Phase der Verhandlungen zwischen Europäischem Parlament und Rat noch erheblich ändern.

Falls und sobald er verabschiedet wird, erfolgt die Anwendung schrittweise. Die einzelnen Anforderungen würden jeweils einige Monate nach Inkrafttreten gelten (zwischen 6 und 48 Monaten).

Der Omnibus ist als EU-Verordnung gedacht, das heißt, er würde in allen Mitgliedstaaten unmittelbar und einheitlich gelten.

Es handelt sich also um einen mehrjährigen Übergang, nicht um eine Änderung über Nacht. Sie werden Zeit haben, sich anzupassen, und Ihr digitales Compliance-Tool – einschließlich iubenda – wird Sie durch die praktischen Schritte begleiten.